
Nordjütland und der Hunsrück. Haben diese Regionen überhaupt Gemeinsamkeiten?
Wir, zwölf Schülerinnen und Schüler der Klasse 7d, haben uns auf den weiten Weg zum nördlichsten Punkt Dänemarks gemacht, um genau diese Frage zu beantworten. Nach einer „kurzen“ 14Stunden-Zugfahrt erreichten wir am späten Abend des 23.09. den Hauptbahnhof von Aalborg, an dem wir herzlich von den dänischen Partnerschülern und ihren Eltern empfangen worden sind.
Im Rahmen des Erasmus+ Programms der Europäischen Union hatten wir die Möglichkeit, eine Woche lang die Partnerschule in Storvorde zu besuchen und dort Flora und Fauna, Unterricht, aber auch die Kultur kennenzulernen.
Großes Areal, viel Freifläche außen, ein großer Spielplatz mit Klettermöglichkeiten und auch ein Cage ließen uns fast vergessen, dass wir 1400km von zu Hause entfernt waren. Wären da nicht ein paar seltsame Gewohnheiten gewesen: „Herr Kurz, die Schüler umarmen ihre Lehrer. Das ist voll cringe.“ Aber auch die sehr ausgedehnten Pausen und freien Arbeitsphasen im Unterricht waren – ungewohnt. Und dann war da noch Rundbold. Noch beliebter als Fußball bei uns. Das Spiel ist eine Mischung aus Brennball und Baseball. Wenn wir nur die Regeln verstehen würden? So ganz wird uns bis zum Schluss nicht klar, wann man „out“ ist, wo der Ball hingeschlagen werden darf und was eigentlich wie viele Punkte bringt. Das führte dazu, dass der ein oder andere etwas „demotiviert“ war. Umgekehrt waren die Dänen geschockt, als Mads die beliebte Fußballtaktik des „Zeitspiels“ einbaute.
Am nächsten Tag ging es dann nach Aalborg zur Stadterkundung und Besuch des Utzon Centers, einem Gebäude von Jorn Utzon, dem Architekten des Opernhauses in Sydney. Dort lernten wir, dass im Zentrum immer noch Gebäude mit Legosteinen entworfen werden, bevor sie dann per 3D Scanner digitalisiert und nachbearbeitet werden, um sie anschließend bauen zu können. Das durften wir dann auch ausprobieren und eigene Hochhäuser kreieren, die zu einer großen Stadt arrangiert worden sind.
Mittwoch begannen wir dann damit, unser in der Schule erworbenes Wissen über die Flora und Fauna Dänemarks mit der Realität abzugleichen und machten uns – mehr oder weniger begeistert – in Skagen auf die Suche nach Libellen, Fröschen und „a bit poisonous snakes“. Das Highlight der Erkundung war dann aber das Robbenbaby am Strand und die Beobachtung des Zusammenflusses von Nord- und Ostsee. Gegen Ende des Tages haben uns dann die Lehrer einen Streich gespielt, als sie uns erzählten, dass wir am nächsten Tag unser Mittagessen selbst zubereiten und dazu sogar Fasane rupfen und auseinandernehmen müssen. Zumindest dachten wir das noch zu diesem Zeitpunkt.
Der Donnerstag in Lille Vildmose begann mit einem Rollenspiel über Dänemark im 17. Jahrhundert, bei dem jeder von uns die Rolle einer Pflanze oder eines Tieres eingenommen hat. Dabei lernten wir, dass es keine gute Idee ist, wenn Leo (ein Grundbesitzer) Lisa (das Torfmoos) aufs Trockene legt. Denn durch ihr Ableben starb zunächst ihre Schwester (das Sonnentau) und danach alle anderen. In der Folge erklärte uns die dänische Lehrerin, dass sie das Moor nun mithilfe ihrer Sklaven – einer Gruppe Elche – wieder aufbauen wollen.
Und dann kam die Zeit des Essens: als wir vor den zwölf toten, aber ansonsten unbehandelten Fasanen standen, war uns klar: Das war gestern kein Scherz. Die Dänen sind schon ein bisschen komisch. Für sie war es kein Problem, die Tiere zu häuten und zum Essen zu präparieren. Bei uns ging die Meinung über diese „Aktivität“ weit auseinander.
Der gekochte Eintopf hat dann aber doch – den meisten – gut geschmeckt.
Nach einem weiteren Tag in der Schule – über den Unterricht schweigen wir besser – mussten wir uns dann am Samstagmorgen von den dänischen Freunden tränenreich verabschieden. Zum Glück bleibt uns der Trost, dass wir sie im April in Morbach wiedersehen werden.
Und natürlich die Erkenntnis, dass der Hunsrück und Nordjütland viel mehr Gemeinsamkeiten haben, als wir vorher dachten: Das Moor, die dortige Tier- und Pflanzenwelt, ähnliches Essen und nette Leute.















