Erasmus+ macht`s möglich: Von dänischen Erwartungen, Enttäuschungen und Gemeinsamkeiten mit uns

Endlich war es soweit: Nachdem wir im August bereits unsere Partnerschule in Storvorde im Norden Dänemarks besuchen konnten, stand nun der Gegenbesuch in Morbach an. Wochen der Vorbereitung ließen die Vorfreude stetig wachsen. Man wollte schließlich, dass es dem Gast gut gefällt. Und neben der Planung der Freizeitaktivitäten nach der Schule, mussten natürlich auch die Zimmer für die Gastschüler passend hergerichtet werden. Schnell wurde da auch mal die Notwendigkeit erkannt, das eigene Zimmer umzugestalten, indem alle eigenen Poster für eine Woche entfernt wurden: Es kommt schließlich ein Mädchen zu Besuch – das soll sich ja wohlfühlen und nicht von großen Sportwagen abgeschreckt werden.

Aber auch auf dänischer Seite wurde die Aufregung von Tag zu Tag größer und entlud sich in – nennen wir es – interessanten Ängsten: „Was mache ich denn, wenn die Deutschen morgens immer im Anzug und Abendkleid frühstücken?“ Am Tag der Anreise hätte man fast glauben können, dass sich die dänische und deutsche Bahn im Versuch, die Anreise zu unterbinden, abgestimmt hätten. Doch trotz ausgefallener Züge, Schienenersatzverkehr und anderer Widrigkeiten lagen wir uns abends kurz vor Mitternacht am Bahnhof in Bullay endlich in den Armen. Dafür zeigte sich das Wetter während der gesamten Woche – ideal für unser Thema: „Flora und Fauna im Vergleich“ – von seiner schönsten Seite, sodass die Aktivitäten in der Natur gleich doppelt Spaß machten.
Aber zunächst stand das Kennenlernen der Schule an, bei dem die Dänen insbesondere von unseren Schulküchen und Hühnern angetan waren. Die dänische Mentalität ließ sie aber in für uns ungewohnte Weise kombinieren: „Das ist eine super Idee, dass ihr hier die Hühner züchtet und dann mit den Schülern in der Küche verarbeiten könnt. Das hatten wir früher auch mal, aber irgendwann wurden nach dem Essen keine neuen mehr angeschafft.“

Danach gab es dann Spiele zum Problemlösen, bei denen insbesondere der persönliche Erfolgsdrang so manchem deutschen Jungen zum Problem wurde, bevor der Tag mit im Vorfeld angefertigten Präsentationen über Moore beendet wurde.
Am Folgetag lag der Fokus auf der Betrachtung verschiedener Tiere und Pflanzen im Umfeld von Gewässern. So begannen wir am Morgen an einem Teich und betrachteten dort Flora und Fauna – wobei es erneut zu Enttäuschungen kam, da die dortigen Fische nicht zum Verzehr genutzt werden… Anschließend machten wir uns auf den Weg an die Mosel. Mit der Sonne hoch am Himmel war die kurze Wanderung ein Genuss und wir konnten viele verschiedene Tiere, insbesondere Eidechsen, beobachten. Der Tag war für alle, die ihn bis zum Ende miterleben durften, ein voller Erfolg.
Den Donnerstag verbrachten wir im Tierpark Bell, um uns über verschiedene Tierarten zu informieren. Im Fokus standen dabei sowohl heimische Arten als auch Tiere, die eigentlich nicht im Hunsrück leben, sich aber bei passender Pflanzenzusammenstellung auch bei uns sehr wohlfühlen. Bei einer Führung mit Tierfütterung erlebten wir hautnah, dass Kattas gern auf Tuchfühlung gehen, wenn sie auf Futter spekulieren. Darüber hinaus lernten wir eindrücklich, wie wichtig Tier-, aber auch Umweltschutz ist und mit welchen einfachen Möglichkeiten jeder von uns einen Beitrag dazu leisten kann.

Den Abschluss des Projekts bildete ein Workshop im Ortelsbruch, bei dem wir insbesondere die Hochmoore im Naturschutzgebiet „Lille Vildmose“ in Dänemark mit dem Gebiet „Hangbrücher bei Morbach“ verglichen. Dabei stellten wir fest, dass beide Gebiete zwar sehr unterschiedlich in ihrer Entstehung sind – große „Badewannen“ voller Wasser in Dänemark im Vergleich zum kontinuierlichen Wasserfluss aus Regenwasser und Grundwasser in Morbach -, aber auch viele Gemeinsamkeiten aufweisen: Der Mensch hat in beiden Gebieten viele Naturräume zerstört, um den Boden wirtschaftlich nutzbar zu machen. In beiden Regionen wird versucht, den natürlichen Zustand wieder herzustellen und damit Tieren und Pflanzen langfristig eine Heimat zu bieten und gleichzeitig auch dem Menschen zu helfen, indem das Moor beispielsweise als natürlicher CO2-Speicher fungiert. Eine weitere Gemeinsamkeit ist auch: Von uns wird die vollständige Wiederherstellung niemand mehr erleben.

Denn das Torfmoos wächst im Schnitt nur 1mm pro Jahr. Um die in Morbach natürliche Höhe von 1-2 Metern zu generieren, dauert es damit eben ein- bis zweitausend Jahre. Und in Dänemark reden wir von einer natürlichen Höhe von 6m… So wurde uns nochmal allen deutlich, wie wichtig Umweltschutz ist und dass man zerstörte Regionen nicht mal eben wieder schnell neu aufbauen kann.
Wie bereits an den Tagen zuvor, durfte natürlich auch an diesem Tag das Essen nicht fehlen: Die Biologen zeigten uns im Ortelsbruch für uns gänzlich neue Leckereien, wie beispielsweise junge Buchenblätter oder frische Triebe ausgewählter Nadelbäume. Die Begeisterung für den Geschmack konnten dabei nicht alle teilen. Anders sah es dann am Abschlussabend aus. Die Hunsrückspezialität „Schwenker“ kam bei allen super an.
Nach einer kurzen Nacht endete die Woche in Morbach am frühen Samstagmorgen tränenreich am Bahnhof in Wittlich mit der klaren Bitte: „Können wir nächstes Jahr nochmal Erasmus mit den Dänen machen?“