
Kein Deo, keine Duschen, keine Toilettenspülungen! “Die spinnen doch, die Römer!”, würde ein berühmter Gallier sagen…oder die Schüler: “Boah, die Römer müssen ja immer gestunken haben und dreckig gewesen sein.”
Aber war es in der Antike wirklich so? Waren die Menschen damals immer dreckig und haben gestunken?
Unter anderem mit diesen Fragen hat sich die Erasmus+ AG diesem Schuljahr in Kooperation mit den Partnerschulen aus Monza (Italien), Carcassonne (Frankreich) und Sofia (Bulgarien) beschäftigt.
Und da stand am Anfang zunächst einmal die Recherche: Wie stand es wirklich um die römische Hygiene? Hierbei wurde sehr schnell klar: anders als es das Nicht-Vorhandensein o.g. Gegebenheiten vermuten lassen würde, legten die Römer sehr viel Wert auf Sauberkeit und gute Gerüche. So schrieb schon Ovid vor ca. 2000 Jahren: „Ich beginne mit der Körperpflege. Aus gepflegten Trauben kommt guter Wein.“ Wenn auch sehr blumig ausgedrückt, macht das Zitat von Ovid eines klar: Das Bild des stinkenden, ungepflegten Römers ist definitiv falsch!
Während des Besuchs unserer Partnerschulen in Morbach (17.-24.01.2026) gingen wir gemeinsam auf Erkundungstour, um (noch) mehr über die Hygiene bei den Römern herauszufinden und mit unseren heutigen Hygienestandards zu vergleichen. Durch eine Kooperation mit dem Belginum erhielten wir tiefe Einblicke in das Leben in einer antiken Kleinstadt und erfuhren, dass es auch schon damals sehr wohl Möglichkeiten für eine gute Körperhygiene und ausgefallene Stylings gab: so nutzten die Römer zum Zähneputzen Reibsteine, zum Stylen der Haare heißes Metall und Kämme und zum Färben der Haare verschiedenen Mischungen aus Naturmaterialien.
Darüber hinaus besuchten wir Trier als bedeutende römische Stadt der Region und erhielten viele Informationen über die Hygiene insbesondere in den Thermen. Neben der offensichtlichen Möglichkeit des Reinigens mit Wasser lag der Schwerpunkt im Besuch von Räumen, die mit einer heutigen Sauna verglichen werden können. Dort gab es zum Erstaunen der SchülerInnen auch schon vor über 2000 Jahren Angebote diverser Dienstleister der Körperpflege, die es auch heute noch gibt: Friseure, Masseure oder Enthaarer.
Wenn die Römer also nicht gestunken haben, was hat sie dann gut riechen lassen? Hierzu haben wir herausgefunden, dass sie Parfum nutzten. Somit lag ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit in der Fragestellung, wie römische Parfums gerochen haben und hergestellt worden sind. Damit haben wir uns bereits vor dem Besuch in der wöchentlich stattfindenden AG beschäftigt und festgestellt, dass die Frage gar nicht so einfach zu beantworten ist. Denn: Parfumrezepte wurden in der Regel nicht notiert – eben ein Betriebsgeheimnis! Und in Fundstücken sind die Flüssigkeiten über die Jahrtausende nicht so gut erhalten geblieben, dass eine zweifelsfreie Analyse der Parfumbestandteile möglich ist. Allerdings ist mittlerweile durch einen Fund beispielsweise die Nutzung von Patschuli belegt. Aber auch das liefert nur einen Eindruck, denn ein Parfum allein lässt nicht auf den generellen Geruch von Römern schließen. Also versuchten wir uns an experimenteller Arbeit von Historikern. Wir lasen Bücher antiker Schriftsteller, um einen Eindruck über wohlriechende Gerüche zu erhalten. Wir recherchierten, welche Pflanzen in der Antike bereits bekannt waren. Danach probierten wir die Herstellung von Parfum nach antikem Vorbild einmal selbst. Welche Geruchskombinationen kamen bei uns gut an? All das glichen wir mit römischen Texten ab. Das Ergebnis: In den 2000 Jahren hat sich wenig am Empfinden für gute Gerüche geändert. Und wie die Experimente mit den Partnerschulen zeigten, bestehen auch kaum Unterschiede zwischen den Regionen: was hier gut riecht, riecht auch dort gut und was hier stinkt…
Wir sind schon gespannt, was wir im weiteren Verlauf des Schuljahres noch entdecken und welche Einblicke uns die Besuche bei den Partnerschulen in Carcassonne und Sofia noch liefern werden.
Fertig sind wir mit unseren Recherchen und experimentellen Arbeiten aber noch lange nicht. Denn ein besonderes Highlight steht uns noch als Abschluss des diesjährigen Erasmus+ Projektes bevor: Wir werden unsere Gesamtergebnisse am Ende des Jahres in einer Ausstellung im Belginum präsentieren, um auch anderen Interessierten die unter den Fingernägeln brennende Frage zu beantworten: Wie rochen eigentlich die Römer?














