Die Pferde waren gesattelt, die Taschen gepackt und die Gruppe bereit zum Aufbruch nach Carcassonne: Vor uns lag eine Woche in Südfrankreich, die ganz unter dem Motto „Mobilität in der Antike und Gegenwart“ stehen sollte.
So trafen wir uns am Samstag, den 11.04.2026, um gemeinsam unsere „25.000 Pferde starke Kutsche“ nach Paris zu besteigen. Die Fahrt im TGV verging zunächst wie im Flug und ließ die weite Entfernung schnell relativ erscheinen. Doch dann bekamen wir eine Ahnung davon, wie sich Reisen in der Antike angefühlt haben musste – langsam. Sehr langsam. Der Zug stoppte. Sicherheitsbedenken. Ein durchbrochener Zaun am Gleisbett. Ursachenforschung, Streckenprüfung, langes Warten. Schließlich ging es nach zwei Stunden im Tempo eines Pferdes weiter – aus Sicherheitsgründen. So musste es sich also anfühlen, wenn man auf einer langen Strecke einfach nicht vorankam.
Am Ende kamen wir dennoch an: Die erste Zwischenetappe war erreicht – Paris, die Stadt der Liebe. Richtig losgehen konnte es aber auch hier zunächst nicht. Irgendwie hatten es verschiedene Türen auf unsere Gruppe abgesehen: Anna wurde am Metroeingang eingeschlossen und musste von zwei Männern befreit werden, während es Alessandro im Hotel erwischte – dort wurde die Tür schließlich „fachmännisch“ zerlegt.
Trotz dieser Zwischenfälle blieb uns noch ausreichend Zeit, um einige der berühmten Pariser Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm, den Louvre oder andere Highlights zu besichtigen.
Am Sonntag ging es schließlich mit dem TGV weiter nach Carcassonne, wo wir herzlich von unseren französischen Gastgeberinnen und Gastgebern empfangen wurden.
Der Montag markierte den Start des eigentlichen Programms. Zunächst stand das gegenseitige Kennenlernen in der Schule auf dem Plan – und das brachte auch unerwartete Herausforderungen mit sich. So lautete eine Aufgabe: „Finde einen Vegetarier aus einer anderen Nation.“ Angesichts der Essgewohnheiten der übrigen Teilnehmerländer erwies sich dies für die deutschen Schülerinnen und Schüler als nahezu unmöglich.
Im Anschluss begann die inhaltliche Arbeit. Wir lernten, dass die Kombination aus Hügel, Fluss und vergleichsweise mildem Klima Carcassonne bereits seit Jahrtausenden zu einem attraktiven Siedlungsort macht. Auch zur Zeit der Römer war die Stadt von großer Bedeutung, wovon zahlreiche Überreste in der Cité bis heute zeugen. Unter dem Gesichtspunkt der Mobilität spielte Carcassonne ebenfalls eine wichtige Rolle: Narbonne, der zweitgrößte römische Hafen nach Ostia (dem Hafen Roms), lag nur etwa einen Tagesmarsch entfernt.
Genau diese bedeutende Hafenstadt war am Dienstag unser nächstes Ziel. Wir folgten dem Verlauf der Via Aquitania von Carcassonne nach Narbonne, wo uns ein noch erhaltener Abschnitt einer römischen Straße spannende Einblicke in die Reisebedingungen der Antike bot. Für Narbonne war jedoch der Hafen noch wichtiger als die Straßen. Als zweitgrößter Hafen des Römischen Reiches war er ein zentraler Umschlagplatz, insbesondere für lebenswichtige Güter wie Getreide aus Ägypten. Ob die Bevölkerung ausreichend versorgt war oder hungern musste, hing maßgeblich von der Seefahrt ab.
Neben diesen Einblicken in die Mobilität erfuhren wir auch, wie bereits in der Antike Salz gewonnen wurde. Dazu besuchten wir eine Saline, deren Funktionsweise im Grundsatz bis heute unverändert ist. Meerwasser wird über ein Jahr hinweg in großen Becken verdunsten gelassen, bevor am Ende das zurückbleibende Salz geerntet wird. So erklärt sich auch, weshalb Salz in der Antike ein kostbares Luxusgut war.
Der Mittwoch widmete sich dann einem ganz anderen Themenbereich: Welche Werte soll die Europäische Union vertreten? In den Diskussionen wurde deutlich, dass den Teilnehmenden aller Länder unter anderem Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Fairness und ein gutes Bildungssystem besonders wichtig sind. Daneben kamen jedoch auch außergewöhnliche – und teils sehr fragwürdige – Problemlösungsvorschläge zur Sprache, etwa der Wunsch nach einem Staat mit Todesstrafe, bei der die Hingerichteten anschließend „zu Essen verarbeitet“ würden – angeblich aus Gründen des Tierschutzes.
Am Donnerstag rückte erneut das Projektthema in den Mittelpunkt. Wir fuhren nach Toulouse, um dort sowohl die antiken Ursprünge der Stadt als auch ihre Bedeutung in der Gegenwart kennenzulernen. Nicht ohne Grund hat Airbus hier eines seiner Stammwerke: Viele bedeutende Fortschritte in der Luftfahrt wurden in Toulouse erreicht. An diesem Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen, konnten wir nachvollziehen, wie sich Mobilität über die Jahrtausende verändert hat – und welche Vor-, aber auch Nachteile die moderne Luftfahrt mit sich bringt.
Am letzten Tag setzten wir die Workshoparbeit in der Schule fort, bevor am Nachmittag eine letzte gemeinsame Aktivität auf dem Programm stand: das Kennenlernen traditioneller französischer Spiele. Nach einer Woche, in der das Wetter mit Schnee, Sturm und Kälte wirklich alles geboten hatte, zeigte sich Carcassonne nun von seiner besten Seite. 28 Grad am See – eigentlich perfektes Badewetter. Doch die Lehrkräfte erwiesen sich zunächst als Spielverderber. Bis Frau Hauths Mütze „versehentlich“ im Wasser landete und sie diese „leider“ herausschwimmen musste.
So endete am Samstag eine erlebnisreiche und intensive Woche mit tränenreichen Abschieden am Bahnhof von Carcassonne. Die vielen neu geknüpften Freundschaften lassen uns jedoch sicher sein: Irgendwann sehen wir uns wieder.















