Eine Stunde in völliger Dunkelheit

Jeder Schritt wurde zum Abenteuer, jedes Geräusch kritisch vernommen und jedes Ertasten zur Prüfung. Diese Erfahrung machten die Schülerinnen und Schüler der Sozial AG und des Schülercafés der IGS Morbach zusammen mit ihren Betreuerinnen Frau Priestersbach und Frau Kiebel im Rahmen einer Exkursion nach Trier in die Erlebnisausstellung „Dialog im Dunkeln“.

Während einer Stunde in völliger Dunkelheit entdeckten sie die Welt mit ihrem Gehör-, Geruchs- und Tastsinn, um einen Einblick in den Alltag erblindeter Menschen zu erhalten. Angeleitet wurden die Kinder und Jugendlichen in den lichtlosen sowie unbekannten Räumen von sehbehinderten und erblindeten Menschen, denen sie vertrauen mussten, um das Abenteuer zu bestehen.

Leichte Panik breitete sich bei ihnen aus, als das sowieso bereits gedämmte Licht im schmalen Eingangsbereich der Ausstellung gänzlich erlosch und sie sich ab diesem Zeitpunkt an der Stimme ihres Guides orientieren und mit Hilfe eines Blindenstockes fortbewegen mussten. Nicht ohne Grund also erkundeten die jungen Teilnehmer mit einer Portion Neugierde, Respekt und etwas Unbehagen eine Parklandschaft mit Bäumen, Skulpturen und Vogelgezwitscher, gingen über eine wacklige Brücke, ertasteten auf einem Marktplatz Obst sowie Gemüse und stellten sich dem lärmenden Straßenverkehr samt Ampeln, Autos und Rollern, um dann im gemütlichen Café im Dunklen Überraschungsgetränke zu probieren, die es erkennen galt.

Besonders berührend war, dass die sehbehinderten Guides beim abschließenden Zusammensitzen im lichtlosen Café offen von ihren Schicksalen, Krankheitsverläufen, ihrem Alltag und Lebensmut erzählten. Alle Schülerinnen und Schüler sind sich abschließend einig: Diese Grenzerfahrung hat sich wirklich gelohnt und ist absolut weiterzuempfehlen.

Christina Kiebel